Das Wandern ist des Freiwilligens Lust

Unsere Gegend zu Fuß zu erkunden, das haben wir vor allem an den letzten beiden Wochenenden wieder einmal genutzt. Unser erstes Ziel war ein Park im nächsten Ort, höher gelegen als unser Katarraktis und mit einer tollen Aussicht über das Meer, Chios und die Türkei. Mit auf unsere Wanderung kam allerlei Essen, um im Park ein Picknick zu machen.

Mit Kartenspielen machten wir es uns dann dort gemütlich und verbrachten einige Zeit an diesem schönen Fleckchen Erde.

Am Wochenende darauf war der ursprüngliche Plan eigentlich, nur auf einen Kaffee zu gehen. Danach war ein kleiner Spaziergang geplant. Doch wegen eines Schild mit der Aufschrift „Altes Katarraktis“ und unserer Neugier wurde aus dem kleinen Spaziergang ungewollt eine kleine Wanderung von 11 Kilometern. Trotz unpassendem Schuhwerk beschwerte sich keiner, die Erlebnisse unterwegs machten aber auch vieles wett. Auf dem Weg entdeckten wir ein wunderschönes Kloster und das alte Katarraktis, bestehend aus vielen Ruinen von einstigen Steinhäusern. Schlussendlich kamen wir in dem Dorf Pagida inmitten von Chios‘ Natur an und ließen uns dort in einem Restaurant nieder. Das Dorf versprühte so viel Charme, dass wir eine Rückkehr noch während dem Aufenthalt planten.

Tja, so unverhofft erlebt man oft tolle Dinge.

Was tut sie eigentlich?

Gute Frage. Philosophisch gesehen sowie im echten Alltag hier hab ich mich das auch schon öfter gefragt. Nicht dass ich hier keine Arbeit hätte, ganz im Gegenteil, sondern eher im Kontext „Warum mache ich das? Warum bin ich hier?“. Die Antwort auf die Frage ist und bleibt immer dieselbe: Ich lerne. Ich lerne aus guten Situationen, ich lerne aus schlechten. Ich lerne aus dem Zusammenleben mit vielen verschiedenen Person(lichkeit)en, ich lerne aus Streiten. Am Ende des Tages geht es mir vielleicht nicht immer gut mit dem, was ich gelernt habe, aber ich habe gelernt.

Nun zum eigentlichen Grund dieses Blogposts: meine Arbeit. Viel kann man sich unter EFD (Europäischer Freiwilligendienst) auf der griechischen Insel Chios ja nicht vorstellen. Soviel sei vorausgegeben: meine Arbeit teilt sich in zwei große Teile, Arbeit mit Kindern und Arbeit am Computer.

In den ersten neun Monaten meines Jahres habe ich vormittags drei bis vier Stunden in einer Volksschule und zeitweise auch in einem Kindergarten verbracht. Um die wichtigsten Fragen zu beantworten: Meine Aufgaben waren den Kindern bei der Konzentration auf der Unterricht helfen, Kopien machen, Bastelarbeiten vorbereiten oder gar selbst gestalten, mit den ausreichenden Griechischkenntnissen dann auch mal ein paar Aufgaben kontrollieren und auf Fehler aufmerksam machen, im Turnunterricht motivieren und Acht geben, in den Pausen ein Auge auf die Kinder werfen und vieles mehr. Es war jeden Tag ein kleines bisschen anders und insgesamt eine sehr erfüllende Arbeit. Kaum Kinder sprechen hier wirklich gut Englisch (na klar, sie sind ja auch zwischen sechs und zwölf Jahren alt), deshalb ist Griechisch die vorherrschende Kommunikationssprache. Zu Beginn beschränkt sich das dann eben auf „Hallo! Wie geht’s?“ „Gut. Danke.“ und das wichtige „Ich verstehe nicht“. Nach wenigen Monaten konnte ich dann aber auch schon kleine Gespräche führen und auch mal sagen „So nicht!“.

Nachmittags wurde dann ab 17 Uhr für zwei oder drei Stunden am Computer gearbeitet. Zu Beginn des Jahres war es Teil dieser Arbeit, Seminare für Kleingruppen von Kindern zu gestalten zum Thema Photoshop oder WordPress. Das hat immer viel Spaß gemacht, war aber auch schwierig für mich aufgrund der Sprachbarriere und oft frustrierend, weil ich die Stunden lieber geplant hätte und nicht so spontan gestaltet hätte, wie es letztendlich oft der Fall war. Ein anderer großer Teil der Arbeit ist unser Radio ChiosRadio, wofür wir Artikel zu unterschiedlichen Themen (griechische Kultur und Mythologie, Bands, Interviews mit fiktionalen Charakteren etc.) schreiben, aufnehmen und bearbeiten. Ganz neu aufgebaut haben wir gemeinsam die Website über den Rocketwar, ein Oster-Event auf der Insel, und neuerdings auch die Seite Curiosity, die noch in den Startlöchern steht. Auch Chiosmania mit Information über Orte, Strände, Transport und vieles mehr auf Chios wurde von uns wieder zum Leben erweckt.

Jetzt im Sommer entfällt natürlich der tägliche Schulbesuch und unsere Arbeit ist ein wenig anders aufgeteilt. Zurzeit arbeiten wir morgens am Computer und gestalten unsere Websites und nachmittags organisieren wir täglich für zwei Stunden Spiele für die Kinder hier. Dafür müssen wir jeden zweiten Tag auch einen Fußmarsch von 40 Minuten bergauf in Kauf nehmen, doch die strahlenden Kinder machen jede Mühe wert.

Mitte meines Projektes?

Mid-Term Seminar. Ein Treffen der Freiwilligen in Griechenland, die an der Hälfte ihres Projektes angelangt sind. Für mich aber eher ein Rückblick auf meine bisherige Zeit auf Chios und eine große Portion Motivation für das letzte Viertel des Weges.

Mit der Fähre ging es Sonntagabends nach Athen. Die Zeit verbrachten wir, so gut es ging, schlafend. Genau bei der Ankunft in Athen ging die Sonne auf und wir konnten die ersten Sonnenstrahlen in Fotos festhalten.

Den ersten Tag in Athen hatten wir noch frei zur Verfügung und wir genossen den Hotelpool am Dach, ließen es uns aber auch nicht nehmen, ins Stadtzentrum zu fahren.

Einige Tage in einem 5-Stern-Hotel zu verbringen bringt so einige Vorteile mit sich, man kann sich aber auch ganz schön unwohl fühlen zwischen all den Anzugträgern der Businessmeetings.

Was wir gelernt haben? Es gibt in jedem Projekt Probleme und keiner ist zu 100% zufrieden. Man soll aber trotzdem alles von der positiven Seite betrachten und sich nicht in Beschwerden über Negatives verlieren. Als ein Teil des Seminars haben wir auch die Europakarte gezeichnet und unsere Länder gekennzeichnet, genau wie diese sind wir verschieden und vielfaltig.

 

Natürlich haben wir auch außerhalb des Seminars Zeit miteinander verbracht, nachmittags im Pool und abends draußen. Im Park, am Hafen und im Zentrum Athens saßen wir dann gemütlich beisammen und lernten uns kennen.

Es ist schön, zu erkennen, dass man schon in  kurzer Zeit so gute Beziehungen zu Menschen aufbauen kann und wir hoffen alle, uns eines Tages wiederbegegnen zu können.