Zurück zur Schule

Ungefähr die Hälfte meiner Freiwilligentätigkeit hier auf Chios verbringe ich in einem Umfeld, das ich in den letzten 14 Jahren meines Lebens schon ziemlich gut kennengelernt habe: Kindergarten und Schule. Zu meinem Glück ein Umfeld, das ich immer recht gerne mochte (eine Meinung, die ich mit wenigen teile).

Von Oktober bis Jänner war ich in einer Volksschule in Vrontados beschäftigt – übrigens ein Städtchen mit nur 5000 Einwohnern aber drei Volksschulen. Dort startete mein Tag um 9.30 Uhr mit einer zwanzigminütigen Pause, in der ich mich vor allem darum kümmerte, die Erstklässler in Schach zu halten. Von kleinen Wettrennen und Schaukel anschubsen bis zu tröstenden Umarmungen war immer für Überraschungen gesorgt. Später ging ich dann drei Einheiten lang von Klasse zu Klasse und half den Lehrern dort mit allerlei Sachen. Manchmal kämpfte ich mit dem Kopiergerät, manchmal bastelte ich und manchmal sang ich Lieder vor der Klasse oder korrigierte Englisch Hausübungen. Um 12.30 Uhr war unsere Arbeit dann getan. Mit einem Lächeln verließ ich meist das Gebäude, dorthin gezaubert von offenen und einfach fröhlichen Kindern.

Anders sieht der Alltag nun in Katarraktis aus. Morgens um 7.40 Uhr machen wir uns bereits auf den Weg, um an einer Kreuzung darauf zu warten, von einer Lehrerin mitgenommen zu werden. Unsere Arbeitsstelle liegt nämlich 3km entfernt in Nenita. Dort verbringen wir den ersten Teil unseres Tages im Kindergarten. 13 Kinder halten uns auf Trab und gerade jetzt in der Faschingszeit wird fleißig gebastelt: Clowns, Monster und speziell für heute Valentinstagsherzen. Es macht einfach Spaß, zu basteln und sich ein bisschen daran zurückzuerinnern, wie sorgenfrei man doch in dem Alter war. Besonders angenehm ist es auch, dort Lehrer zu haben, die gerne etwas über uns und unsere Kultur erfahren wollen und unsere Ideen miteinbeziehen. Leider wird dieser Teil meines Tages bald Vergangenheit sein und ich werde meinen Vormittag nur mehr in der Schule verbringen.

Etwas ernster ist natürlich dann der zweite Teil meines Tages, den ich alleine in der Schule verbringe. Dort unterstütze ich die Lehrerin der zweiten Klasse. Obwohl so manche Griechischstunde oder Mathematikeinheit anstrengend werden kann, habe ich all diese Schüler in mein Herz geschlossen. Ich muss grinsen, wenn ich zum Beispiel an die heutigen Einheiten denke, in denen von links und rechts „κυρία“ („Frau Lehrerin“) kamen, weil die Schüler einfach wussten, dass ich ihnen helfen kann und das auch gerne mache. In langweiligen Stunden macht uns dann ein kurzes Augenzwinkern zu zeitweiligen Komplizen, weiß ich doch auch noch, wie es auf ihrer Seite der Klasse ist.

Insgesamt ist es eine Erfahrung, die ich jedem nur wünschen kann und selber nicht mehr missen möchte.

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