Besuch von daheim

Ich hatte zum ersten Mal Besuch da und hab mich riesig gefreut, unseren schönen Mühlviertler Dialekt wieder mal auspacken zu können. Meine Tante und mein Onkel, Caro und Martin, haben sich nämlich entschlossen, meine Insel mal zu besuchen und sich alles mit eigenen Augen anzusehen. Da man hier ohne Auto nicht sehr weit kommt, haben sich die beiden für ein paar Tage eines ausgeliehen. Wie ungefähr 50% aller anderen Autos auf der Insel war auch dieses weiß.

Donnerstag und Freitag konnten wir uns leider wegen meiner Arbeitszeiten nur nachmittags sehen und wir erkundeten zunächst Katarraktis, das von Martin liebevoll den Namen „Kater Karlo“ bekam. Am nächsten Tag fuhren wir den kurzen Weg bis zu meiner Schule und ich stellte den beiden Nenita vor. Den restlichen Nachmittag verbrachten wir auf dem einzigen Sandstrand, den ich hier bisher gesehen habe, Karfas. Vom Winde fast verweht fanden wir glücklicherweise ein Café, das in der Nebensaison geöffnet hatte.

Den Samstag nutzten wir, um den Norden der Insel zu erkunden. Wir begannen im Kloster Nea Moni, welches ganz verlassen in der Mitte der Insel liegt. Schließlich setzten wir die Fahrt fort und besuchten Anavatos, die verlassene Stadt aus Steinhäusern an einem Felsen, welche vor Jahrhunderten strategisch als Versteck geplant wurde. Verfolgt wurden wir dabei von einer türkischen Reisegruppe, die uns zuerst in Nea Moni und später in Anavatos begegnete. Wir hatten aber auch unseren Spaß daran, da beide Orte in der Vergangenheit als Verstecke vor türkischen Angreifern dienten. Unterwegs auf Serpentinen, die uns immer höher in die Berge führten, hielten wir dann auch einmal, um die Aussicht fotografisch festzuhalten.

In Vrontados legten wir eine Kaffeepause ein und fuhren gestärkt weiter zu einer ganz besonderen Kirche, Agios Isidoros. Die Kapelle ist vom Meer umgeben und kann nur durch eine enge Straße erreicht werden. Später fuhren wir dann nach Lagada, von Caro auch „Lángos“ genannt. Das Dorf ist ein traditionelles Fischerdorf und überzeugte uns auch kulinarisch bei unserem Besuch.

Zum Abschluss des Tages lieferten wir uns einen Wettlauf mit der Sonne, denn wir wollten den Sonnenuntergang unbedingt sehen, hatten aber den Weg zur Westseite der Insel unterschätzt. Schließlich kamen wir gerade noch rechtzeitig, um den roten Ball im Meer versinken zu sehen.

Den Sonntag gingen wir etwas gemütlicher an. Wir besuchten die Tulpenfelder, doch die Blumen waren zum Großteil schon wieder eingetrocknet. Dennoch waren die großen Flächen, übersäht mit Tulpen, sehr schön anzusehen. Danach ging unsere Reise weiter nach Pyrgi, welches bekannt ist für die Häuser, die von ihren Bewohnern mit speziellen Mustern bemalt werden. Am schwarzen Steinstrand Mavra Volia entspannten wir dann eine Weile, unterbrochen nur von dem Griechen, der uns mit einem Handtuch umgebunden zum „Naked Yoga“ einlud. Wir lehnten ab.

Auf dem Weg nach Mesta, einer mittelalterlichen Anlage, wurde uns die Straße versperrt, doch nicht von der Polizei oder sonstigen Ordnungshütern, sondern von einer riesigen Herde Ziegen. Mesta ist von einer Steinmauer umgeben und jedes Haus ist aus Steinen gebaut und bis heute bewohnt. Die Anlage wirkt ein wenig wie ein Labyrinth und etwas düster, da nur wenig Sonnenlicht eindringen kann.

Wir schlossen den Tag an einem einsamen Strand ab, wo wir den Sonnenuntergang in völliger Ruhe genießen konnten. Durch diese vielen neuen Eindrücke von Chios habe ich in den zwei Tagen die Insel viel mehr zu schätzen gelernt und ihre Schönheit entdeckt. Natürlich freue ich mich jetzt aber auch auf zuhause, wo ich doch schon einen kleinen Vorgeschmack durch meinen Besuch bekommen habe.

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