Was tut sie eigentlich?

Gute Frage. Philosophisch gesehen sowie im echten Alltag hier hab ich mich das auch schon öfter gefragt. Nicht dass ich hier keine Arbeit hätte, ganz im Gegenteil, sondern eher im Kontext „Warum mache ich das? Warum bin ich hier?“. Die Antwort auf die Frage ist und bleibt immer dieselbe: Ich lerne. Ich lerne aus guten Situationen, ich lerne aus schlechten. Ich lerne aus dem Zusammenleben mit vielen verschiedenen Person(lichkeit)en, ich lerne aus Streiten. Am Ende des Tages geht es mir vielleicht nicht immer gut mit dem, was ich gelernt habe, aber ich habe gelernt.

Nun zum eigentlichen Grund dieses Blogposts: meine Arbeit. Viel kann man sich unter EFD (Europäischer Freiwilligendienst) auf der griechischen Insel Chios ja nicht vorstellen. Soviel sei vorausgegeben: meine Arbeit teilt sich in zwei große Teile, Arbeit mit Kindern und Arbeit am Computer.

In den ersten neun Monaten meines Jahres habe ich vormittags drei bis vier Stunden in einer Volksschule und zeitweise auch in einem Kindergarten verbracht. Um die wichtigsten Fragen zu beantworten: Meine Aufgaben waren den Kindern bei der Konzentration auf der Unterricht helfen, Kopien machen, Bastelarbeiten vorbereiten oder gar selbst gestalten, mit den ausreichenden Griechischkenntnissen dann auch mal ein paar Aufgaben kontrollieren und auf Fehler aufmerksam machen, im Turnunterricht motivieren und Acht geben, in den Pausen ein Auge auf die Kinder werfen und vieles mehr. Es war jeden Tag ein kleines bisschen anders und insgesamt eine sehr erfüllende Arbeit. Kaum Kinder sprechen hier wirklich gut Englisch (na klar, sie sind ja auch zwischen sechs und zwölf Jahren alt), deshalb ist Griechisch die vorherrschende Kommunikationssprache. Zu Beginn beschränkt sich das dann eben auf „Hallo! Wie geht’s?“ „Gut. Danke.“ und das wichtige „Ich verstehe nicht“. Nach wenigen Monaten konnte ich dann aber auch schon kleine Gespräche führen und auch mal sagen „So nicht!“.

Nachmittags wurde dann ab 17 Uhr für zwei oder drei Stunden am Computer gearbeitet. Zu Beginn des Jahres war es Teil dieser Arbeit, Seminare für Kleingruppen von Kindern zu gestalten zum Thema Photoshop oder WordPress. Das hat immer viel Spaß gemacht, war aber auch schwierig für mich aufgrund der Sprachbarriere und oft frustrierend, weil ich die Stunden lieber geplant hätte und nicht so spontan gestaltet hätte, wie es letztendlich oft der Fall war. Ein anderer großer Teil der Arbeit ist unser Radio ChiosRadio, wofür wir Artikel zu unterschiedlichen Themen (griechische Kultur und Mythologie, Bands, Interviews mit fiktionalen Charakteren etc.) schreiben, aufnehmen und bearbeiten. Ganz neu aufgebaut haben wir gemeinsam die Website über den Rocketwar, ein Oster-Event auf der Insel, und neuerdings auch die Seite Curiosity, die noch in den Startlöchern steht. Auch Chiosmania mit Information über Orte, Strände, Transport und vieles mehr auf Chios wurde von uns wieder zum Leben erweckt.

Jetzt im Sommer entfällt natürlich der tägliche Schulbesuch und unsere Arbeit ist ein wenig anders aufgeteilt. Zurzeit arbeiten wir morgens am Computer und gestalten unsere Websites und nachmittags organisieren wir täglich für zwei Stunden Spiele für die Kinder hier. Dafür müssen wir jeden zweiten Tag auch einen Fußmarsch von 40 Minuten bergauf in Kauf nehmen, doch die strahlenden Kinder machen jede Mühe wert.

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