Griechische Sprache, schwere Sprache?

Einen Teil meines Projektes hier stellt auch das Lernen der Sprache dar. Es ist ungelogen einer meiner Lieblingsteile, wenn auch nicht der einfachste. Als ich vor knapp zwei Monaten hier ankam, war ich zunächst mal ziemlich überfordert, denn das griechische Alphabet hat mit unserem zwar Ähnlichkeiten, ist aber trotzdem sehr anders. Glücklicherweise kennt man zumindest einige Buchstaben aus dem Matheunterricht.

Α, α (Alpha)    Β, β (Vita)    Γ, γ (Gamma)    Δ, δ (Delta)    Ε, ε (Epsilon)
Ζ, ζ (Sita)    Η, η (Ita)    Θ, θ (Thita/Fita)    Ι, ι (Iota)    Κ, κ (Kappa)    Λ, λ (Lambda)
Μ, μ (Mi)    Ν, ν (Ni)    Ξ, ξ (Xi)    Ο, ο (Omikron)    Π, π (Pi)    Ρ, ρ (Ro)
Σ, σ (Sigma)    Τ, τ (Taf)    Υ, υ (Ypsilon)    Φ, φ (Phi)    Χ, χ (Chi)    Ψ, ψ (Psi)
Ω, ω (Omega)

Es gibt fünf verschiedene Arten, in einem Wort ein „i“ zu schreiben (ι, η, υ, ει, oι), zwei Arten für ein „o“ (ο, ω) und zwei Arten für ein „e“ (ε, αι). Wöchentlich haben wir zwei Griechischstunden, in denen uns eine ehemalige Lehrerin die Grammatik, Verben und alles, was sonst noch wichtig ist, beibringt. Jede Griechischstunde bringt eine Hausaufgabe mit sich, die meist daraus besteht, einige Wörter in alle Fälle zu setzen, Verben in allen Personen niederzuschreiben und einen kurzen Aufsatz zu einem bestimmten Thema zu schreiben (beispielsweise „Meine Familie“, „Ein Spaziergang durch den Wald“ oder „Meine größten Ängste“). Der nachfolgende Dialog ist zum Beispiel einer meiner ersten fertiggestellten Texte. Meine jetztigen Texte sehen natürlich gaaanz anders aus. Erstaunlich, wie viel Fortschritt man macht, wenn man wirklich dranbleibt.

Mittlerweile macht Griechisch mir schon sehr viel Spaß, auch wenn ich noch schnell an meine Grenzen stoße – aber dann steht mir eben mein Freund und Helfer „Google Translator“ zur Seite. Eine große Hilfe ist für mich, dass ich bereits vier Jahre lang Spanisch gelernt habe und es mir daher leicht fällt, die Verben zu konjugieren. Außerdem entdecke ich immer wieder Ähnlichkeiten.

Eine der größten Hilfen beim Lernen der Sprache ist aber die tägliche Konfrontation damit in der Schule. Nebenbei wird man auch motiviert, am Ball zu bleiben, man möchte ja schließlich irgendwann verstehen, was die Kinder einem in den Pausen erzählen wollen.

Inousses

Gestern verbrachten wir wieder einmal Zeit auf dem Segelboot der Organisation. Das Wetter war traumhaft und es waren kaum Wolken am Himmel zu sehen – ein Ausnahmezustand zu dieser Jahreszeit, selbst in Griechenland. Gemeinsam mit Dimitris, seiner Tochter Maria, seinem Sohn Markos und deren Partnern machten wir uns gegen Mittag auf den Weg zu der Inselgruppe Inousses, die Chios sehr nahe liegt. Ungefähr zwei Stunden segelten wir im offenen Meer mit ein bisschen Unterstützung durch den Motor und lernten dabei wieder einiges mehr übers Segeln. Inousses besteht aus 16 kleinen Inseln, wovon nur eine bewohnt ist. Es leben dort ca. 750-800 Menschen, wobei die Einwohnerzahl im Sommer deutlich steigt, weil viele Reederfamilien und Bootsbesitzer die warmen Monate auf der Insel verbringen.

Ein Grund für unseren Ausflug war, dass Dimitris früher Lehrer an der einzigen Schule auf der Insel war. Er zeigte uns stolz das Schulgebäude, in dem er vor rund 30 Jahren sein erstes Jahr als Lehrer verbrachte. Seine Kinder zeigten uns schließlich den Rest der Hauptinsel, die zwar nicht groß, aber wunderschön ist. Wir bestaunten die beeindruckend große Kirche und den Ausblick auf mehrere kleine Inseln.

Gemütlich verbrachten wir dann noch etwas Zeit in einem Café am Hafen und machten uns schließlich wieder auf den Heimweg, um pünktlich zum Sonnenuntergang wieder im „Heimathafen“ anzulegen.

Am Abend besuchten wir Freiwilligen dann noch gemeinsam ein Fest in der Schule, das mich sehr an das Laternenfest in Österreich erinnert. Von der Schule führte eine kurze Prozession mit Kerzenlicht zur Kirche, wo ein Gottesdienst zu Ehren des Namenspatrons der Kirche gehalten wurde. Für mich war es der erste Kontakt mit der griechisch-orthdoxen Kirche. Der Innenraum der Kirche ist bunt und mit vielen Goldverzierungen gestaltet, meine Beschreibung würde einfach „zu viel“ lauten. Insgesamt war der Gottesdienst zwar interessant für mich, aber sehr langweilig, da wir eine Stunde lang stehend verbrachten und einer fremden Sprache lauschten. Trotzdem war es eine interessante Erfahrung.

Nea Moni und Anavatos

Gestern war ein aufregender Tag mit einem sehr, sehr frühen Start für mich. Weil ich unbedingt einmal den Sonnenaufgang erleben wollte, holte mich mein Wecker noch vor 6 Uhr morgens aus dem Schlaf. Doch das frühe Aufstehen hat sich definitiv gelohnt und ich würde es jederzeit wieder so machen.

Um 11 Uhr stiegen wir dann ins Auto von Dimitris (unserem Organisator), der uns gemeinsam mit seinem Sohn an diesem Tag zu Sehenswürdigkeiten auf Chios brachte. Unsere erste Haltstelle: Nea Moni, ein altes Kloster in der Mitte der Insel, umgeben von Bergen. Bekannt ist es für seine wunderschönen Mosaike und weil es 1990 in die Liste der UNESCO Weltkulturerbe aufgenommen wurde. In der Geschichte der Insel diente es oft als Unterschlupf vor Angreifern wie den Piraten. Zurzeit lebt ein Mönch dort. Obwohl wir nur wenig Zeit dort verbrachten, bleibt Nea Moni doch in besonderer Erinnerung.

Während unserer Autofahrt blieben wir immer wieder an schönen Aussichtspunkten stehen und genossen es, Chios von vielen verschiedenen Seiten zu sehen.

Unsere zweite Besichtigung führt uns in das verlassene Dorf Anavatos. Es liegt auf einem Granitfelsen, der teilweise auch die Wand einiger Häuser dort bildet. Weil dort früher alles aus Stein bestand, war das Dorf gut getarnt vor Angreifern. Es war beeindruckend, die steilen Pfade zu erkunden und einen Blick in das eine oder andere Haus zu werfen.

Auf dem Weg zu unserem letzten Ziel kamen wir an einer Schnapsbrennerei vorbei, in der hochprozentiger Feigenschnaps produziert wurde. Auch dort hielten wir kurz an und durften das Gebäude betreten und den Schnaps verkosten.

Schließlich besuchten wir noch das verlassene Leprakrankenhaus in Chios. Schon seit vielen Jahren lebt dort keiner mehr, dennoch ist das Areal noch gut erhalten. Schockierend ist allerdings, was man dort vorfindet: alte Betten, teils Matratzen und Pölster und eine Apotheke, dem Standard von 1930 entsprechend.

Eine heiße Schokolade in einem Café und ein kuscheliger Filmabend rundeten den Tag für mich ab.