Sommerzeit ist Ausflugszeit

Seit ich nach den Osterferien wieder auf Chios zurück bin, vermisse ich eines auf keinen Fall: die Kälte und den Schnee, die derzeit Österreich heimsuchen. Stattdessen genieße ich hier 24°C und strahlenden Sonnenschein, wobei ich schuldbewusst zugeben muss, dass auch schon der Gedanke „Das ist einfach zu heiß!“ in mir aufkam. Jedenfalls haben wir hier beschlossen, dass die Badesaison für uns eröffnet ist und haben am Nachmittag nun schon viel Zeit am Meer verbracht.

Der Nachteil daran, wenn man mit zwei sonnengebräunten Italienern an den Strand geht, ist, dass jeder sofort den gut gemeinten Ratschlag gibt, mich nicht vergessen zu lassen, Sonnencreme zu verwenden. Ja, die blasse Österreicherin muss sich natürlich vor der bösen Sonne schützen, danke!

Ein ganz besonderer Tag war für mich heute auch in der Schule, weil wir auf Exkursion gingen. Die erste, zweite und dritte Klasse durften zu einem Fahrradpark fahren. Die Anlage bestand aus extra angelegten kleinen Straßen mit Bodenmarkierungen, Schildern und Ampeln an allen Ecken und Enden. Ich habe mich da sofort zurückerinnert gefühlt an einen Führerscheinkurs im Legoland, wo ich auch schon einmal durch so eine Anlage rasen durfte. Ein bisschen Theorie über Verkehrssicherheit und dann durften die Kinder auch schon auf die Räder steigen und herumdüsen. Da schlägt natürlich jedes Kinderherz höher!

Später ging das kleine Abenteuer dann weiter, auf einem riesigen Spielplatz/Sport-Areal in Chios Stadt. Neben einer Laufstrecke, einem Tennisplatz und Outdoor-Fitnessgeräten gab es dort unzählige Spielgeräte für die Kinder. Nicht ein einziges Mal hörte man eine Beschwerde über Langeweile in den zwei Stunden, die wir dort verbrachten. Trotz der brütenden Hitze lieferte ich mir ein Rennen mit einem Zweitklässler um das ganze Areal, das ich natürlich „leider verlor“.

Insgesamt war es eine ereignisreiche Woche, in der ich viel Zeit draußen verbracht habe. Bei dem Wetter sollte man sich ja auch nicht drinnen verkriechen (außer eine Serie ist so gut, dass man nicht bis zum Abend auf die nächste Folge warten kann). Morgen geht’s dann auch weiter, es bleibt ereignisreich bei einem Wochenendausflug in die Türkei.

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Zwei Wochen im Rückblick

Bevor ich für die Osterferien wieder nach Österreich flog, verbrachte ich noch einen Tag gemeinsam mit Giorgia in Katarraktis, Francesco war schon abgereist. Unglaublich, wie viele Spinnen und andere Krabbeltiere man plötzlich entdeckt, wenn der Mann im Haus nicht mehr da ist. Es ist unnötig zu erwähnen, dass uns so manche Nachbarn wohl des Öfteren hysterisch schreien und lachen gehört haben. Schließlich durften auch wir den Flieger Richtung Heimat besteigen, heilfroh, dem Ungeziefer entkommen zu sein. Das Grinsen wollte mein Gesicht fast nicht mehr verlassen, als ich dann endlich wieder österreichischen Boden erblickte. Beim Anblick meiner Mama und Schwester war der größte Schock allerdings, dass meine Schwester deutlich in die Höhe geschossen war und mich mit ihren elf Jahren nun schon bald überragen würde.

Die nächsten Tage verbrachte ich typisch österreichisch im Schiurlaub mit der Familie. Das Wetter und die Pistenverhältnisse waren zwar nicht perfekt, dafür aber war es die Gesellschaft. Wann immer ich schifahre, kann ich mich an den Ausblicken vom Gipfel kaum sattsehen.

Kaum vom Schifahren zurück, stürzte ich mich auch schon ins nächste Abenteuer: Prag. Mit einigen Freunden verbrachte ich eine Nacht in der tschechischen Hauptstadt. Das Wetter spielte mit und wir konnten Prag bei Sonnenschein am Osterwochenende bestaunen. Wir blieben allerdings meist nicht bei den Sehenswürdigkeiten hängen, sondern in Cafés, Restaurants und Bars.

In den nächsten Tagen wurde Ostern fleißig mit der Familie gefeiert und neben der traditionellen Ostersuche gab es auch eine Osterjause und viele Mehlspeisen.

Meine letzte Nacht vorm Abflug verbrachte ich dann nicht zuhause, sondern am Noppen. Da ich von dem Festivalbesuch nun schon seit Jahren träume und es sich ja zeitlich „ausging“, ließ ich mir nicht nehmen, zumindest einen Abend lang Festivalluft zu schnuppern. Damit ich allerdings auch rechtzeitig wieder zurück nach Hause kam, fuhr ich selbst mit dem Auto hin. Und ja, ein Festival macht auch ohne Alkohol ziemlich viel Spaß.

Nach zwei Stunden Schlaf  ging ich meine Rückreise dann an. Obwohl ich viel davon verschlief, durfte ich dann beim Flug nach Chios noch etwas ganz Besonderes erleben. Wir flogen über Katarraktis und ich betrachtete meinen Wohnort aus einer Perspektive wie es wohl selten jemand anderer darf.

Besuch von daheim

Ich hatte zum ersten Mal Besuch da und hab mich riesig gefreut, unseren schönen Mühlviertler Dialekt wieder mal auspacken zu können. Meine Tante und mein Onkel, Caro und Martin, haben sich nämlich entschlossen, meine Insel mal zu besuchen und sich alles mit eigenen Augen anzusehen. Da man hier ohne Auto nicht sehr weit kommt, haben sich die beiden für ein paar Tage eines ausgeliehen. Wie ungefähr 50% aller anderen Autos auf der Insel war auch dieses weiß.

Donnerstag und Freitag konnten wir uns leider wegen meiner Arbeitszeiten nur nachmittags sehen und wir erkundeten zunächst Katarraktis, das von Martin liebevoll den Namen „Kater Karlo“ bekam. Am nächsten Tag fuhren wir den kurzen Weg bis zu meiner Schule und ich stellte den beiden Nenita vor. Den restlichen Nachmittag verbrachten wir auf dem einzigen Sandstrand, den ich hier bisher gesehen habe, Karfas. Vom Winde fast verweht fanden wir glücklicherweise ein Café, das in der Nebensaison geöffnet hatte.

Den Samstag nutzten wir, um den Norden der Insel zu erkunden. Wir begannen im Kloster Nea Moni, welches ganz verlassen in der Mitte der Insel liegt. Schließlich setzten wir die Fahrt fort und besuchten Anavatos, die verlassene Stadt aus Steinhäusern an einem Felsen, welche vor Jahrhunderten strategisch als Versteck geplant wurde. Verfolgt wurden wir dabei von einer türkischen Reisegruppe, die uns zuerst in Nea Moni und später in Anavatos begegnete. Wir hatten aber auch unseren Spaß daran, da beide Orte in der Vergangenheit als Verstecke vor türkischen Angreifern dienten. Unterwegs auf Serpentinen, die uns immer höher in die Berge führten, hielten wir dann auch einmal, um die Aussicht fotografisch festzuhalten.

In Vrontados legten wir eine Kaffeepause ein und fuhren gestärkt weiter zu einer ganz besonderen Kirche, Agios Isidoros. Die Kapelle ist vom Meer umgeben und kann nur durch eine enge Straße erreicht werden. Später fuhren wir dann nach Lagada, von Caro auch „Lángos“ genannt. Das Dorf ist ein traditionelles Fischerdorf und überzeugte uns auch kulinarisch bei unserem Besuch.

Zum Abschluss des Tages lieferten wir uns einen Wettlauf mit der Sonne, denn wir wollten den Sonnenuntergang unbedingt sehen, hatten aber den Weg zur Westseite der Insel unterschätzt. Schließlich kamen wir gerade noch rechtzeitig, um den roten Ball im Meer versinken zu sehen.

Den Sonntag gingen wir etwas gemütlicher an. Wir besuchten die Tulpenfelder, doch die Blumen waren zum Großteil schon wieder eingetrocknet. Dennoch waren die großen Flächen, übersäht mit Tulpen, sehr schön anzusehen. Danach ging unsere Reise weiter nach Pyrgi, welches bekannt ist für die Häuser, die von ihren Bewohnern mit speziellen Mustern bemalt werden. Am schwarzen Steinstrand Mavra Volia entspannten wir dann eine Weile, unterbrochen nur von dem Griechen, der uns mit einem Handtuch umgebunden zum „Naked Yoga“ einlud. Wir lehnten ab.

Auf dem Weg nach Mesta, einer mittelalterlichen Anlage, wurde uns die Straße versperrt, doch nicht von der Polizei oder sonstigen Ordnungshütern, sondern von einer riesigen Herde Ziegen. Mesta ist von einer Steinmauer umgeben und jedes Haus ist aus Steinen gebaut und bis heute bewohnt. Die Anlage wirkt ein wenig wie ein Labyrinth und etwas düster, da nur wenig Sonnenlicht eindringen kann.

Wir schlossen den Tag an einem einsamen Strand ab, wo wir den Sonnenuntergang in völliger Ruhe genießen konnten. Durch diese vielen neuen Eindrücke von Chios habe ich in den zwei Tagen die Insel viel mehr zu schätzen gelernt und ihre Schönheit entdeckt. Natürlich freue ich mich jetzt aber auch auf zuhause, wo ich doch schon einen kleinen Vorgeschmack durch meinen Besuch bekommen habe.