Großer Schulausflug

Jedes Jahr kurz vor den Ferien fahren die meisten Schulen hier auf „große Exkursion“. Groß deshalb, weil sie nicht nur von 8-13 Uhr dauert, sondern alle bis 17 Uhr unterwegs sind. Wirklich verwundert hat mich, dass von jedem Kind ein Familienmitglied als Begleitperson dabei war, pro Kind also mindestens eine Mama, ein Papa, eine Oma oder andere Verwandte. In Österreich könnte ich mir nicht vorstellen, dass sich auch Arbeitstätige so viel Zeit nehmen würden. Nur ein Kind hatte kein Elternteil dabei, deswegen wurde kurzerhand ich als Mama eingeteilt und bekam 10€ für die Verpflegung des Mädchens in die Hand gedrückt.

Es war ganz interessant und neu, einen Tag lang fast alleine für ein Kind verantwortlich zu sein, hat mich aber auch sehr an Zuhause und die Verantwortung für Geschwister erinnert. Mit drei Bussen und einigen Privatautos machten wir uns dann auf die Reise, die sich auch ein bisschen als Nostalgiefahrt für mich herausstellte, wenn man es denn schon so nennen kann. Denn der erste Stopp war der Strand Daskalopetra in Vrontados, den ich im Oktober schon oft besucht hatte, als ich noch dort wohnte. Dort gibt es einen großen, bunten Spielplatz, auf dem sich die Kinder gut beschäftigen konnten.

Der zweite Stopp war das Kloster Panagia Myrsiniotissa, zu dem ich im Herbst oft spaziert bin. Erstmals habe ich das beeindruckend schöne Kloster auch von innen betrachten können.

Unser letzter Stopp war dann Lagada, wo wir Meeresfrüchte direkt neben dem Meer genossen. Wir verbrachten dort sehr viel Zeit – manche Kinder nutzten diese zum Angeln, andere zum Enten füttern und Eltern, Freiwillige und Lehrer ließen sich in Restaurants und Cafés versorgen.

Es war ein toller Tag und die Zeit verging wie im Flug.

Dem Regen entwandern

Gezwungenermaßen spontan wurde unser Mädels-Wochenendsausflug erst Freitagabend geplant, denn die Organisation wusste nicht, ob das Wetter Segeln am Wochenende zulassen würde.

Samstagmorgens ging es dann los – bepackt mit Rucksäcken machten wir uns auf den langen Weg. Unterwegs hielten wir ein paar Mal an: bei einem Kloster, für Eiscreme und bei besonders schönen Ausblicken. Dabei verfolgten uns die ganze Zeit Regenwolken, die wir mit etwas mulmigem Gefühl beobachteten. Der Vorteil: eine Wanderung bei angenehm kühlen Temperaturen durch die nach Mastix duftende Landschaft. Mastix ist das Harz eines Baum, welches dieser nur auf Chios produziert und man hier in vielen lokalen Produkten findet.

Nach etwa drei Stunden kamen wir in Kalamoti  an, einem kleinen Ort mit verwinkelten, charmanten Gassen. Auf dem Marktplatz retteten wir uns dann vor dem ersten Regenguss des Tages in ein Café. UNO spielend saßen wir den Regen aus.

Dann ging es weiter zum Sandstrand Komi und mit ganz viel Glück schafften wir es auch dort vor dem Regen nach drinnen und konnten im „Nostalgia“ einen kleinen Mittagssnack genießen. Schließlich schafften wir es ins „Emporios Bay Hotel“, wo wir noch kurz in den Pool sprangen, bevor uns auch dort der Regen überraschte.

Am Abend aßen wir dann in einer Taverne, die mit ihrem Charme bezauberte. Die Dekoration aus altem Gartenzubehör, Pflanzen und Keramikgemüse war wunderschön anzusehen, lockte aber auch das ein oder andere Insekt an. Später genossen wir dann im Hotel noch Cocktails, ließen den Tag Revue passieren und genossen die Freundlichkeit der familiengeführten Unterkunft.

Beim Frühstück konnten wir uns gar nicht sattessen an den tollen selbstgemachten Kuchen, Marmeladen und mehr. Gestärkt ging es an den Strand, denn das Wetter war eine 180-Grad-Kehrtwende im Vergleich zum Vortag. Μαύρα Βόλια (Mavra Volia) war unser erstes Ziel, einzartig dank dem schwarzen Vulkangestein. Weil Steine auf Dauer dann doch etwas ungemütlich sind, ging es wieder zurück nach Komi zum Sandstrand.

Von dort wanderten wir dann ein letztes, langes Mal nach Pyrgi. Nach einem Rundgang und einer Stärkung ging es dann im Taxi zurück. Was für ein Wochenende!

Panigiri

Schon des Öfteren habe ich hier von erfahrenen Freiwilligen diesen einen Satz gehört: „Let’s crash the Panigiri!“. Doch erst jetzt versteh ich den Reiz daran so wirklich, denn ich war endlich auf meiner ersten Πανηγύρι. An Christi Himmelfahrt gab es in der Schule (wir hatten nämlich nicht frei) nur ein Gesprächsthema: die Panigiri am Abend im Ort. Selbst zum Thema einer Unterrichtsstunde wurde es dann, denn die Lehrerin nahm das Ereignis zum Anlass, um den Schülern auch etwas über den Brauch zu lernen.

Eine Panigiri ist zu vergleichen mit einem Volksfest oder Marktfest, wie es bei mir zuhause heißt. Die Leute versammeln sich bei Musik und gutem Essen und tanzen und feiern gemeinsam. Meistens haben die Feste kirchlichen Hintergrund, so auch in Nenita an Christi Himmelfahrt.

Gemeinsam mit Giorgia machte ich mich abends dann auf den Weg nach Nenita. 40 Minuten bergauf gehen nahmen wir gern in Kauf für das Erlebnis, das sich uns bot. Gleich zu Beginn fiel uns auf, dass unglaublich viele Pferde und auch einige Kutschen im Ort unterwegs waren und irgendwo angebunden standen.

Als wir einen leeren Tisch erspähten, nutzten wir die Chance gleich, um uns dort niederzulassen und uns kulinarisch versorgen zu lassen. Neben der Kulinarik wurde uns aber auch viel Kultur geboten, denn wir durften unsere Schulkinder beim Tanzen der traditionell griechischen, gut einstudierten Tänze beobachten. Später gab es dann griechische Live-Musik und Alt & Jung schwangen das Tanzbein. Lyra, Klarinette, Trommel und Gesang übertönten alle Gespräche in normaler Lautstärke und ließen es kaum zu, nicht im Takt mitzuwippen – auch wenn die Instrumente dank des Verstärkers nicht im Entferntesten an ihren eigentlichen Klang erinnerten.

Beim Heimweg hörte man noch in weiter Ferne die Musik und wir konnten die schönen Erlebnisse verarbeiten. Von nun an werden wir diejenigen sein, die neue Freiwillige mit unserer Idee „Let’s crash the Panigiri!“ verwirren.